Forschungsgebiete und Projekte

Ukraine-Studien in Deutschland

MALVA setzt sich für die Förderung der Ukraine-Studien an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und allgemein im deutschsprachigen Raum ein. Unsere Seite zu den Ukraine-Studien an der JGU bietet einen Überblick über die Aktivitäten der JGU – Publikationen, Online-Ressourcen sowie wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen – auf diesem Gebiet und listet seit 1946 angebotene Kurse mit Bezug zur Ukraine auf. Gemeinsam mit anderen Fachbereichen der JGU arbeitet MALVA an der Einführung eines Zertifikatskurses zur ukrainischen Sprache und Kultur als interdisziplinäre Ergänzung zu allen BA- und MA-Studiengängen unserer Universität. Außerdem hat MALVA eine neue Kooperationsvereinbarung mit der Staatlichen Universität Cherson angestoßen, die die bestehenden Vereinbarungen der JGU mit Universitäten in Kyjiw, Lemberg und Odesa ergänzt.
Darüber hinaus hat Mischa Gabowitsch eine Bibliografie deutschsprachiger Bücher über die Ukraine zusammengestellt, die seit dem 17. Jahrhundert veröffentlicht worden sind. Die Liste umfasst derzeit über 1.150 Titel und soll mittelfristig in Form eines Buchs mit Beiträgen führender ExpertInnen zu verschiedenen Bereichen der Ukraine-Studien veröffentlicht werden.

Erinnerung, Gedenken und Denkmäler in der Ukraine

Seit der Veröffentlichung ihrer gemeinsamen Monografie Monuments and Territory: War Memorials in Russian-Occupied Ukraine arbeiten Mischa Gabowitsch und Mykola Homanyuk an einer Reihe von Projekten zum Pluralismus der Erinnerungskulturen in der Ukraine sowie zu den in der Ukraine und Russland entstehenden Denkmälern für die Toten des aktuellen Kriegs und deren Zusammenhang mit Kriegsdenkmälern aus der Sowjetzeit. Diese Seite verzeichnet ihre Veröffentlichungen, Interviews und Vorträge zu diesen Themen. Insbesondere arbeiten sie an der Erstellung einer Datenbank mit neuen Kriegsdenkmälern in der Ukraine und Russland. Zu ihren langfristigen gemeinsamen Projekten gehören eine Datenbank mit Fotos von Kriegsdenkmälern aus der Sowjetzeit und ihrer Nutzung nach dem Ende der Sowjetunion sowie ein illustriertes mehrsprachiges Buch über Gegendenkmäler.

Erinnerung und Gedenken in der neuen russischen Diaspora

Seit Russlands Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hat sich eine neue russische Diaspora gebildet, und mit ihr neue Gedenkpraktiken und Erinnerungsdiskurse. Oleg Reuts Postdoc-Projekt und Laura Innocentis Dissertation untersuchen aus verschiedenen Perspektiven Initiativen der Diaspora, die sich dem Gedenken an die Opfer des Krieges widmen, und erforschen, wie MigrantInnen aus Russland zu wichtigen AkteurInnen der Gestaltung neuer Formen des Gedenkens außerhalb Russlands geworden sind. In ihrer Feldforschung analysieren sie die Medien und Praktiken, durch die diese ErinnerungsaktivistInnen mit den aufnehmenden Gesellschaften interagieren und zu einer „geflüchteten Erinnerung” beitragen. Ihre Forschung betrachtet diese Prozesse in einem breiteren europäischen Kontext und bietet Einblicke in transnationale Erinnerungsarbeit, Erinnerung nach Konflikten und den potenzielle Beitrag von Gedenkpraktiken der Diaspora zu Versöhnung und Übergangsjustiz.

Sowjetische und postsowjetische Geschichtslehrbücher und Public History

Zhazira Bekzhanova, Mischa Gabowitsch, Arseniy Kumankov und Niginakhon Uralova arbeiten an mehreren miteinander verbundenen Projekten zu Geschichtslehrbüchern in verschiedenen Teilen der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten. Zu den Forschungsgebieten gehören die visuelle Analyse von Geschichtslehrbüchern, die Beziehung zwischen Lehrbüchern und anderen Medien der öffentlichen Geschichtsdarstellung wie Podcasts, die AkteurInnen der Lehrbuchproduktion und -nutzung, darunter Autorinnen, Illustratoren, Verlegerinnen, Zensoren, Staatsbeamte, Lehrer und Schülerinnen, sowie Gender- und Ethnizitätsregime in Lehrbüchern. Niginakhon Uralovas Dissertation untersucht die intergenerationelle Weitergabe von Erinnerungen an die Sowjetzeit in Usbekistan und Kirgisistan im familiären Kontext im Vergleich zum Geschichtsunterricht in der Schule.

Sprachenpolitik im Russischen Reich, in der Sowjetunion und in den Nachfolgestaaten

Heghine Barseghyans Dissertation untersucht gesellschaftliche Reaktionen auf die imperiale Sprachenpolitik in Armenien und Dagestan von den 1890er bis zu den 1930er Jahren greift dabei auf Quellen auf Arabisch, Armenisch, Russisch und anderen Sprachen zurück. Yelyzaveta Peretiatko untersucht in ihrer Dissertation den Wandel der Sprachpraxis in der Ukraine seit Russlands Großangriff. Langfristig plant MALVA die Veröffentlichung einer kommentierten Ausgabe von Sprachgesetzen aus dem Russischen Reich, der Sowjetunion und den Nachfolgestaaten.

Lexi.eco: eine mehrsprachige Online-Enzyklopädie zu historischen Grundbegriffen im europäischen Vergleich

MALVA ist Mitglied des lexi.eco-Konsortiums, zusammen mit den Universitäten Lille, Bielefeld, Santiago de Compostela und Tartu, dem Lviv Center for Urban History und EuroClio, dem Europäischen Verband der Geschichtslehrerverbände. Lexi.eco ist eine mehrsprachige Online-Enzyklopädie zu historischen Grundbegriffen und deren Verwendung in verschiedenen nationalen und sprachlichen Kontexten. MALVA beteiligt sich an der Erstellung nationaler Fallstudien und synthetischer Überblicksartikel für die Enzyklopädie und koordiniert die Übersetzungsstrategie von lexi.eco.

Gesellschaftliche Innovation im Kaukasus und Zentralasien

MALVA nimmt an CARSI (Caucasus and Central Asia Research on Social Innovation) teil, einem EU-finanzierten Forschungs- und Ausbildungsprogramm, das die Expertise europäischer Universitäten in Bezug auf diese beiden Regionen stärken soll. CARSI ermöglicht es der Johannes Gutenberg-Universität, Mitarbeiter zur Teilnahme an Forschungs- und Ausbildungsaktivitäten an Partnerinstitutionen im Kaukasus und in Zentralasien zu entsenden. Im Rahmen von CARSI arbeitet MALVA besonders eng mit Institutionen in Usbekistan und Georgien zusammen.